Port Harcourt (ag; hd). Sie meinen es offenbar ernst: Einen Tag, nachdem die wichtigste Rebellengruppe in Nigerias ölreichem Niger-Delta einen „Ölkrieg“ ausgerufen hatte, erfolgte am Montag der bisher massivste einer Serie von Angriffen: Die Kämpfer der Mend (Movement for the Emancipation of the Niger Delta) attackierten eine Förderanlage des Royal Dutch Shell-Konzerns. Dabei wollen die Rebellen mehrere Ölarbeiter getötet haben, „die unsere Warnung nicht beherzigt haben“. Die Gruppe hatte am Samstag alle Ölfirmen aufgefordert, ihre Beschäftigten binnen 24 Stunden abzuziehen, da ein „Hurrikan“ losbrechen werde. Gemeint war die jüngste Gewaltwel
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Shell hat in einer ersten Reaktion auf den Angriff vom Montag die betroffene Anlage komplett geräumt und die rund hundert Arbeiter in Sicherheit gebracht. Man schätze die Situation offenbar anders ein als bei der Armee, die verkündet hatte, sie habe „die Lage unter Kontrolle“. Die Gefechte der vergangenen Tage, bei denen die Armee zu Wasser, zu Lande und aus der Luft gegen die Rebellen vorging, legen das nicht nahe.
Angriffe auf Förderanlagen und Entführungen von Ölarbeitern sind im Niger-Delta seit Jahren nichts Ungewöhnliches. In den vergangenen Wochen ist die Aktivität der Rebellen aber massiver geworden. Beide Seiten scheinen eine Entscheidung zu suchen, laut Sicherheitskreisen in Nigeria seien die jüngsten Aktionen des Militärs nur der Auftakt für eine mehrwöchige Offensive. Wobei für die Armee die weitläufigen Gebiete, in denen sich die Rebellen wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser bewegen können, kaum unter Kontrolle zu bekommen sind. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat.
Kaum Wirtschaft jenseits des Öls
Auch Trainings durch britische und US-amerikanische Ausbildner konnten bisher das Blatt nicht zugunsten der Armee wenden. Ein Grund ist auch die – bis auf die Ölanlagen – schwache Infrastruktur in dem Gebiet.
Das Niger-Delta ist zwar die Melkkuh des Staatshaushalts: Mehr als 85 Prozent der Staatseinnahmen und fast die gesamten Exporterlöse kommen aus dem Ölgeschäft. Zurück an die Bewohner des vernachlässigten Gebiets fließt so gut wie nichts. Um das zu ändern, haben die Mend und andere Rebellengruppen die Waffen erhoben. Durch ihre Attacken gegen die Ölanlagen sank die Gesamtfördermenge zeitweise um ein Viertel.
Gerade bei den Entführungen ist aber die Grenze zur gewöhnlichen Kriminalität fließend. Und als der 2007 ins Amt gekommene neue Staatschef Umaru Yar'Adua vor einer Woche ein eigenes Ministerium für das Gebiet schuf, passte das den Rebellen auch nicht: Dieses sei nur ein Einfallstor für Korruption. Auch wenn Korruption tatsächlich ein enormes Problem in dem Ölstaat darstellt, ließ diese Äußerung doch Zweifel an den hehren Motiven der Mend aufkommen.
Quelle: diepresse.com

