31 Oktober 2008

Monkey Village


Ich kann leider nicht mehr sagen wie ich mir Afrika vorgestellt hatte, bevor ich hier ankam. Jedoch kann ich hier auf Bonny Island nur erahnen, wie das Leben in den Städten wie z.B. Lagos oder Abuja ist. Lagos soll ziemlich übel und krass sein, auch die Sicherheitslage dort. Man kann sich nur ein einem Stadtteil, dem Botschaftsviertel sicher bewegen.. immerhin! Abuja jedoch soll das Paradies sein. Ein riesiges Camp von Julius Berger, Einkaufszentren, tolle Stadt und Sicherheit ist kein Thema. Scheinbar darf ich dort auch mal für ein paar Tage hinfliegen. Aber jetzt zurueck zur Wirklichkeit hier auf Bonny.
Im Norden der Anlage liegt Bonny Town und im Süden ist Finima. Dorthin dürfen wir aber nur im gepanzerten Jeep und mit Militäreskorte. Es wurde mir versprochen, dass wir da irgendwann mal hinfahren.
Aber worüber ich euch heute Berichten möchte ist ein kleines Dorf, welches an der langen, geraden Straße zwischen plant area, bzw. Mainoffice und unserem Camp liegt. Als ich hier ankam und hörte, dass sie zu dem Dorf „Monkey Village“ sagten, dachte ich, das sei ein (schlechter) Scherz. Allerdings ist das der tatsächliche Name und er lässt einiges auf die Lebensumstände der Menschen hier schließen. Die Menschen hier leben in Blech- und Holzhütten, die Regelmäßig unter Wasser stehen. Da es keine Elektrizität gibt, haben einige von denen ihren Dieselgenerator (wer einen hat) im „Gebäude“. Der Müll wird zum Großteil einfach ins Wasser geworfen, in dem die Kinder baden und aus dem sie ihre Fische fangen. Auch ist es keine Seltenheit einen zu sehen, der direkt neben der Straße ins Gras pisst oder scheisst! Wenns dann mal wieder geregnet hat, kann man die kleinen Kinder (6-10 Jahre alt) mit Schubkarren oder selbst gebauten Wägen aus Holz sehen, die Wasser mit alten PET Flaschen und Eimern aus den Pfützen holen. Zwar stehen auch einige Trinkwasserbehälter rum, aber ich vermute mal, dass die nicht regelmäßig gefüllt werden. Natürlich gibt es auch hier die für Nigeria typischen Motorradtaxis, auf denen alles transportiert wird. Das Highlight bisher war: Ganz vorne ein Koffer auf dem ein Kleinkind saß, danach kam der Fahrer mit nem Rucksack, dahinter ne Big Mama mit nem noch kleineren Kind auf dem Arm und noch irgendwelches Material dahinter. Die „Tankstelle“ für die Motorradtaxis befindet sich am Anfang von Monkey Village am Kreisverkehr. Der Sprit wird in alten Wasserkanistern oder PET Flaschen auf mehreren kleinen Holztischen aufbewahrt und dann mit nem Trichter eingefüllt. Es gibt auch viele sog. Bush-Bars in Monkey Village, die früher regelmäßig von den Expats besucht wurden. Früher haben die sich da regelmäßig die Lichter ausgeknipst, aber das ist seit etwa einem halben Jahr aus Sicherheitsgründen verboten - Leider.


17 Oktober 2008

Angriff auf NLNG Jetty

Gestern abend gegen 1900hrs Ortszeit wurde ein Anlegesteg für Gastanker (Jetty) des Anlagenbetreibers (NLNG – Nigeria Liquified Natural Gas) von Militanten angegriffen. Die Angreifer kamen übers Wasser mit insgesamt sechs „Speedboats“ und hatten offenbar versucht, der nigerianischen Navy Waffen, Munition und auch ihr „Gunboat“ abzunehmen. Die Rebellen konnten aber in die Flucht geschlagen werden, wie Lieutenant Colonel Sagir Musa, Sprecher der „Joint Task Force (JTF) heute im Laufe des Tages bekannt gegeben hatte. Die JTF hat mehrere Boote der Militanten versenkt und etliche Angreifer getötet. Allerdings wurden auch vier nigerianische Soldaten schwer verletzt. Einer erlag seinen verletzungen hier bei uns in der Klinik im Lifecamp. Die beiden anderen Soldaten erlitten Bauchschüsse und einem wurde das Gesicht weggeschossen. Die drei überlebenden wurden heute in „Spezialkliniken“ ausgeflogen, da eine derartige Operation hier leider nicht möglich ist. Unglücklicherweise ist in dem Krankenhaus nur ein Operationssaal eingerichtet, sodass die anderen auf den Fluren versorgt werden mussten. Auch unser Doktor wurde währen des Länderspiels gestern in die Klinik gerufen. Heute waren ein paar Leute von uns dort und haben sich den Schauplatz angeschaut. Scheinbar sind die Boote vor Ort ziemlich durchlöchert und die Leichen lagen noch da.
Zu dem Angriff, der in einem Abstand von etwa 1km Luftline von unsrem Mainoffice stattfand, hat sich noch keine Rebellengruppierung bekannt.

01 Oktober 2008

Independence Day

Nein, entgegen vieler Vermutungen bin ich (noch) nicht entführt worden. Ich hatte in den letzten Tagen nur viel zu tun und viel Alkohol im Blut.
Das leben hier ist eigentlich ganz schön, nur leider habe ich recht wenig Freizeit. Ich gehe morgens um 0640 Uhr aus dem Haus und komme erst abends gegen 1820 Uhr wieder heim. Arbeitstage sind Montag bis Samstag und so eine 60 Stundenwoche ist ziemlich hart, wenn man daran gewohnt ist, das Studentendasein auszuleben. Somit bleibt also nur der Sonntag zum ausruhen. Und davon geht auch die erste Hälfte des Tages drauf, bis der Kater einigermaßen bekämpft ist.
Letzten Samstag war Payday. Das bedeutet, dass unsere Arbeiter um 1000 Uhr feierabend machen, um ihr (verdientes) Geld von der Bank abzuholen. Daher gings im Büro auch sehr gemütlich zu. So haben wir gegen 1400 Uhr angefangen Bier zu trinken, Witze zu reissen und im währenden noch den Bundesliga Live-Ticker zu beobachten. Just in time haben wir den Kühlschrank leer bekommen, sodass wir uns unseren Feierabend auch verdient hatten. Wir waren dann Pünktlich zur Sportschau bei uns im Clubhouse im Camp.
Diesen Montag, Dienstag und auch heute (Mittwoch) sind hier gesetzliche Feiertage. Das heisst, dass wir eigentlich frei hätten, wenn nicht gerade jetzt ein Julius Berger Filmteam hier auf Bonny wäre, die einen Promotionfilm für die Firma drehen. Das heisst, dass auf den Baustellen bisschen was laufen musste. Was sich allerdings als etwas schwierig herausstellte, da die meisten Arbeiter, bedingt durch das verlängerte Wochenende, weggefahren sind. Das Problem dabei war auch noch, dass durch unglückliche Zufälle nur noch ein Polier auf der Insel ist. Der hat sich aber glücklicherweise bereiterklärt, nach den Baustellen zu schauen. Letztendlich stellte sich gestern und heute aber heraus, dass die überhaupt nichts von den Baustellen gefilmt haben, sondern nur das Office, das Camp, den Golfplatz und unsere nette Bar.
Da wir alle nicht wirklich wussten, was wir mit den vielen freien Tagen anstellen sollen, hatte der Wies’n Elektriker aus Bayern ab Samstag abend zum 4 Tages-Marathon-Grillen eingeladen. Heute sind wir auf der Zielgeraden des Marathons. Da wir morgen alle wieder arbeiten müssen, haben wir beschlossen, uns heute schon um 1400 Uhr zu einem luntee (lunch + tee) zu treffen. Eigentlich ist aber allen klar, dass das nur ein Vorwand ist, um länger trinken zu können.
Ich werde versuchen, euch in Zukunft häufiger mit Informationen zu versorgen. Aber jetzt muss ich dringend los, da ich heute für das Grillfeuer „in charge“ bin.